Kölner Stadtanzeiger vom 16.10.02

Balladen, Vorurteile und Hexen

VON CORNELIA LÜCKENBACH, 15.10.02, 15:50h

Auszeit vom Alltag: Im "Puppenpavillon" wurde das Publikum in die Welt der Märchen und Balladen entführt.

Bensberg - An diesem Abend standen nicht Puppen im Vordergrund, sondern Puppenspielerin Gundula Mehlfeld und Ehemann Gerd.

Aus einem großen, schwarzen Buch trug sie vier Märchen vor, die sie selbst geschrieben hatte. Zwischen den skurrilen und gruseligen Geschichten bot Gerd Mehlfeld einfühlsame irische und schottische Weisen.

"Vor drei Jahren bin ich gefragt worden, ob ich nicht einmal Märchen für Erwachsene vortragen könnte", berichtete Gundula Mehlfeld über die Entstehung des Projekts. "Bei der Suche nach geeigneten Geschichten bin ich dann auf die Idee gekommen, selber welche zu schreiben."

Vier Märchen mit ganz unterschiedlichem Hintergrund entstanden. Zeitgeschehen, allgemeine Erkenntnisse aber auch persönliche Erfahrungen spielen hinein. Da geht es etwa um die Frage, ob Geld glücklich macht, oder wie das Märchen "Hänsel und Gretel" entstanden sein mag. Gedanken gemacht hat sich die Puppenspielerin aber auch über fatale Folgen von Vorurteilen. Zudem flossen Kindheitserinnerungen ein. Ihre Faszination an den Geschichten und vor allem an Hexen erklärt Gundula Mehlfeld mit einem Hinweis auf den eigenen Lebensweg: "Viele Frauen, die früher anders als die Norm waren, wurden zu Hexen erklärt und verbrannt. Mir selbst fällt es schwer, mich Normen unterzuordnen. Deswegen frage ich mich manchmal, was wohl aus mir geworden wäre, wenn ich zu dieser Zeit gelebt hätte."

An diesem Abend kam das Konzept an. Für die meisten waren die vier Märchen gar noch zu wenig: "Ich hätte gerne noch weiter zugehört. Ich hatte einen stressigen Arbeitstag, aber hier konnte ich mich richtig entspannen", gestand Heike Müller. "Solche Vorstellungen sollte es öfters geben", wünschte sich anschließend Rainer Ferkau. Dem schloss sich ein Großteil des Publikums an. Gundula Mehlfeld versicherte denn auch: "Zwei weitere Geschichten sind schon in Arbeit, und wir überlegen, ob wir die Veranstaltung nicht wiederholen. Die Menschen mögen anscheinend diese ruhigen und einfachen Aufführungen. Wir könnten sogar ohne Strom auftreten."