Kölner Stadtanzeiger vom 11.10.02

Federn für das Troll-Glück

VON CAROLA KNAPE, 10.10.02, 16:17h

In einer Art "Testlauf" stellten Heide Hamann und Gundula Mehlfeld vom Bensberger "Puppenpavillon" ihr neues Stück "Kleiner Troll, was nun" vor.

Bensberg - "Trolle sind sehr mutig, sie sehen zwar etwas anders aus, als wir Menschen, aber sie fühlen oft genau wie wir", erklärt Heide Hamann, Leiterin des Puppenpavillons, den Kindern ganz am Anfang. Zusammen mit Gundula Mehlfeld führt sie rund 75 Grundschulkinder über eine Stunde lang in die Welt der Trolle.

Tomoto, Radomar, Kiriliku und Monabu, wunderschön gefertigte Trolle mit angen, spitzen Ohren und krausem Haar, leben auf der blauen Insel. Sie alle tragen eine blaue Feder am Hut und eine blaue Kette. "Denn jeder Troll, der etwas auf sich hält, braucht diese Dinge", hat die "Stimme" als Devise ausgegeben. Die "Stimme" tritt zwar nie in Erscheinung, legt aber Regeln und ungeschriebene Gesetze fest.

So muss die kleine Kiriliku schnell lernen, dass "kleine Trolle bunte Plättchen brauchen, um glücklich zu sein." Gleichzeitig bedeutet das für sie aber auch, dass ihre Mutter, die diese Plättchen bezahlt, von nun an weniger Zeit für Kiriliku hat. Um die Plättchen zu bezahlen, muss sie entsprechend länger arbeiten gehen.

"Kinder leiden unheimlich darunter, dass Eltern keine Zeit haben, um mit Ihnen zu spielen", erklärt Gundula Mehlfeld. Botschaften dieser Art sind im ganzen Stück versteckt, und die zwei Puppenspielerinnen haben nach den bisherigen Vorführungen bewundernd festgestellt, wie viele der Kinder der ersten oder zweiten Klasse den Transfer vom Puppenspiel zur Realität leisten können.

In "Kleiner Troll, was nun" arbeiten die Kinder deshalb interaktiv am Stück mit. Als die Trolle der grünen Insel auf der blauen Insel erfahren müssen, wie schwer es Fremde haben, weil sie dort nicht akzeptiert werden, ihre gefangenen Fische nicht verkaufen dürfen und am Ende sogar die Insel verlassen sollen, da überlegen die Kinder zusammen mit den Puppenspielerinnen, wie es hätte anders ausgehen können.

Die Aufführungen von "Kleiner Troll, was nun" beginnen nach den Herbstferien in Grundschulen im Kreisgebiet. Die Puppenspielerinnen kommen direkt in den Unterricht, damit die Lehrer auch anhand von Infomaterialien das Thema nachbereiten können. "Bei unseren Vorpremieren war die Resonanz und das Verständnis der Kinder großartig." Einige meinten sogar, die "Stimme" im Stück sei in Wirklichkeit der Bundeskanzler, erklärt Gundula Mehlfeld schmunzelnd.